Ich möchte den gesamten Nähprozess erleichtern. Das beginnt schon vor der ersten Naht: beim Maßnehmen, beim Verstehen der Maßtabellen und bei der Größenwahl. Der Größenfinder für BRIGITTE entstand aus einem Moment beim Probenähen, in dem dieser erste Schritt noch nicht so verständlich war, wie ich ihn mir gewünscht hatte.
Als meine Mutter BRIGITTE, mein erstes Schnittmuster, probegenäht hat, habe ich sie dabei begleitet. Mir war wichtig, dass sie jeden Schritt selbst geht. So konnte ich sehen, wo die Anleitung weiterhilft und wo Fragen offenbleiben. Eine davon entstand schon bei der Körpermaßtabelle.
Ihre Brust-, Taillen- und Hüftmaße fanden sich nicht gemeinsam in einer Größe wieder. Beim Lesen der Tabelle konnte die Wahl in Richtung EU 50 gehen, obwohl sie bei gekaufter Kleidung meist EU 42 oder 44 trägt, je nach Marke und Schnitt. Das machte sie verständlicherweise stutzig: Warum zeigte die Tabelle eine andere Größe als die, die sie sonst trägt? Und welche Größe sollte sie für diese Bluse wählen? Mir war wichtig, dass sie diese Entscheidung auch ohne mich an ihrer Seite treffen kann.
Dabei wurde mir noch einmal deutlich, wie wenig eine Größenbezeichnung allein über die Passform aussagt. Dieselbe Größe kann bei verschiedenen Marken und Schnittmusterherstellern auf unterschiedlichen Körpermaßen beruhen. International wird die Orientierung dadurch nicht einfacher: Für die Zuordnung von EU-, US- und UK-Größen gibt es keine feste Regel, die für alle Anbieter gleichermaßen gilt.
Die US- und UK-Angaben in meinen Tabellen dienen als ungefähre internationale Zuordnung zu meinen EU-Größen. Maßgeblich bleiben die Körpermaßtabelle und die Fertigmaße des jeweiligen Modells. Das war ein weiterer Grund, warum ich einen Größenfinder für meine Schnittmuster wollte: eine Hilfestellung, die von den tatsächlichen Körpermaßen ausgeht und die vorgesehene Mehrweite sowie die am Model gezeigte Passform berücksichtigt.
Körpermaße und Fertigmaße: Was die Tabellen zeigen
Eine Körpermaßtabelle beschreibt die Maße, die einer Schnittkonstruktion zugrunde liegen. Diese Maße bilden eine einheitliche Konstruktionsgrundlage; sie beschreiben nicht jeden einzelnen Menschen, der das Kleidungsstück später trägt.
Die Fertigmaße zeigen dagegen, wie groß die fertig genähte Bluse ist. BRIGITTE ist bewusst locker geschnitten. Ihre Maße enthalten deshalb zusätzliche Weite: Bequemlichkeitszugaben für Bewegung und Tragekomfort sowie Designzugaben für die gewünschte Silhouette. Nahtzugaben haben eine andere Aufgabe: Sie sind der Stoffrand, den man zum Zusammennähen der Schnittteile braucht.
Deshalb gibt es bei mir beide Tabellen. Der Vergleich der Körpermaße mit den Fertigmaßen der Bluse hilft einzuschätzen, wie viel Raum eine Größe lässt. Die gewohnte Konfektionsgröße ist dabei eine hilfreiche Orientierung und kann auch beim Schnittmuster die passende Wahl sein. Entscheidend ist, die Körpermaße zusammen mit den Fertigmaßen und den vorgesehenen Bequemlichkeits- und Designzugaben zu lesen. Genau diesen Zusammenhang möchte ich verständlich machen: wie aus den Maßen der gezeigte Look entsteht und wie viel Weite das fertige Kleidungsstück bietet.
Auch meine eigenen Maße entsprechen nicht jedem Wert einer Tabellenspalte. Ich trage häufig EU 36, manchmal EU 34. Trotzdem schaue ich mir vor der Entscheidung das jeweilige Modell und seine Fertigmaße an.
Warum ich einen Größenfinder für meine Schnittmuster wollte
Als Maßschneidermeisterin kann ich mir vorstellen, wie sich ein Maß auf die Schnittteile und das fertige Kleidungsstück auswirkt. Meine Aufgabe ist es, dieses Wissen verständlich zu vermitteln und den Zusammenhang zwischen den Maßtabellen und der im Design vorgesehenen Mehrweite zu erklären. Für meine Website wollte ich einen Größenfinder, der auf meine eigenen Schnittmuster abgestimmt ist. Er soll helfen, diese Angaben einzuordnen und vor dem Zuschneiden eine passende Ausgangsgröße zu wählen.
Als ich Anfang dieses Jahres mit der Arbeit an meinem Schnittmusterlabel begonnen habe, war für mich von Anfang an klar: Auf meiner Website soll es einen Größenfinder geben. Die Situation beim Probenähen mit meiner Mutter hat diesen Wunsch noch einmal bestärkt. Ich wollte eine Hilfestellung bieten, die bereits bei der Größenwahl ansetzt und ab dem Start meiner Website zur Verfügung steht.
Aus meiner früheren Arbeit im Modebereich war ich mit diesen Maßen bereits sehr vertraut. Diese Erfahrung gab mir einen Ausgangspunkt für eine Hilfe speziell für BRIGITTE. Ich habe den Größenfinder anhand der Fertigmaße und der vorgesehenen Passform entwickelt und mit Regeln ausgestattet, die ich für dieses Schnittmuster festgelegt habe.
Für jedes meiner Schnittmuster wird es einen eigenen Größenfinder geben. Ein Rock, eine Hose und eine Bluse stellen unterschiedliche Anforderungen an die Passform. Auch ein körpernaher Schnitt braucht andere Bequemlichkeits- und Designzugaben als ein locker geschnittenes Modell. Eine einheitliche Passformregel würde diesen Unterschieden nicht gerecht. Deshalb lege ich die Regeln für jedes Schnittmuster individuell fest: abgestimmt auf seinen Schnitt, seine Fertigmaße und die Mehrweite, die ich für das Design vorgesehen habe.
Die Regeln vergleichen die eingegebenen Körpermaße mit den Fertigmaßen und der vorgesehenen Mehrweite. Der Look an unserem Model ist dabei die Referenz. Ich möchte die Wahl einer Größe erleichtern, die zu diesen Maßen passt und der gezeigten Silhouette möglichst nahekommt. Dafür durchdenke ich die Passform jedes einzelnen Modells sorgfältig. Der Größenfinder gibt eine Orientierung, die sich anhand der Fertigmaße und der persönlich gewünschten Weite überprüfen lässt.
Der Größenfinder betrachtet den eingegebenen Brust-, Taillen- und Hüftumfang gemeinsam und zeigt diese Maße neben den Fertigmaßen der vorgeschlagenen Größe. So wird die jeweilige Mehrweite nachvollziehbar. Optional lässt sich der Oberarmumfang ergänzen. Die Ärmelweite wird gesondert geprüft; sie verändert den Größenvorschlag für die Bluse nicht automatisch. Wenn eine Stelle genauer geprüft werden sollte, zeigt der Größenfinder einen Hinweis.
Der Vorschlag des Größenfinders passte bei meiner Mutter zu den Größen, die sie auch bei gekaufter Kleidung trägt. Für BRIGITTE waren das EU 42 beziehungsweise 44, je nach gewünschter Weite. Das war für sie eine hilfreiche Orientierung. Für mich zeigte das, wie ihre vertraute Konfektionsgröße, ihre Körpermaße und die Designzugaben der Bluse zusammenpassen, wenn man die Angaben richtig einordnet. Entscheidend ist eine Bluse, die sich angenehm trägt und deren Aussehen und Weite den eigenen Vorstellungen entsprechen.
Eine nachvollziehbare Orientierung
Der Größenfinder für BRIGITTE arbeitet innerhalb des angebotenen Bereichs EU 32–50, in meiner Tabelle als US 0–18 / UK 4–22 bezeichnet. Er hilft bei der Größenwahl, erstellt aber keinen individuellen Maßschnitt und garantiert keine bestimmte Passform. Umfangsmaße allein beschreiben nicht alle Aspekte einer Passform. Stoff, Körperproportionen und die persönlich gewünschte Weite bleiben wichtig.
Vor dem Zuschneiden sollte der Vorschlag mit den Fertigmaßen verglichen werden. Dazu gehören auch Blusen- und Ärmellängen sowie der Ärmelumfang an der Ansatznaht des ausgestellten Teils. Eine gern getragene Bluse mit ähnlichem Schnitt und Stoff kann helfen, die bevorzugte Weite einzuschätzen. Bei Unsicherheit über die Passform oder nötigen Anpassungen ist ein Probemodell ein sinnvoller nächster Schritt.
Es kann vorkommen, dass der Größenfinder einen Hinweis zur Überprüfung einer Eingabe oder der Einheit anzeigt oder innerhalb seines unterstützten Bereichs keine Größe vorschlagen kann. Das beschreibt die Grenzen des Größenfinders. Bei korrekten Körpermaßen lassen sich die Fertigmaße direkt in der Tabelle vergleichen und nötige Anpassungen prüfen.
BRIGITTE ist der Anfang. Das Probenähen mit meiner Mutter hat mir noch einmal gezeigt, wie viel man durch Zuhören und den Blick aus einer anderen Perspektive lernen kann. Diese Aufmerksamkeit soll sich durch das ganze Schnittmuster ziehen und den Weg von der Größenwahl bis zum Nähen verständlicher und leichter machen.